Station 04 - Das Schulwesen in Sierning

Am Kirchenplatz 3 (Apotheke) stand das erste bekannte Schulhaus in Sierning. Bevor das Gebäude, wie wir es kennen, als Apotheke genutzt wurde, war es Mesnerhaus und Fleischbank. Im Mai 1842 eröffnete Mag. Josef Iglseder dann die erste Apotheke in diesem Bauwerk.


Das Schulwesen in Sierning

Erstes Schulhaus in SierningDas erste Schulhaus in Sierning (heutige Apotheke)

Im Zuge der Schulreform wurden sogenannte Winkelschulen aufgelöst und das „Wetterläuten“ verboten.


Was meinen Sie?

Was versteht man unter dem Begriff „Winkelschule“? 
Was war mit dem Verbot des „Wetterläutens“ gemeint?



Das zweite Sierninger Schulhaus
Das zweite Sierninger Schulhaus (Aufnahme um ca. 1930)

Ursprünglich fanden 1 Klassenraum und 2 Lehrerzimmer darin Platz. Bis 1821 wurde die Schule zweiklassig (im Abteilungsunterricht) geführt, dann entschloss man sich aufzustocken, um den Unterricht in einer dritten Klasse zu ermöglichen. Die Aufzeichnungen besagen, dass ab 1874 eine vierte Klasse hinzukam. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es auch zur Gründung einer Suppenküche (heute Schulausspeisung mit etwa hundert TeilnehmerINNEN. LehrerINNEN hoben um 1800 vierteljährlich Schulgeld ein und hatten auch das Recht auf eine Naturaliensammlung. Erst ab dem Jahr 1833 gab es eine jährliche Bezahlung für SchulgehilfINNEN und LehrerINNEN. Das ehemalige Schulhaus (später „Karanhaus“) wurde im Zuge der Errichtung des neuen Pfarrheimes FOKUS abgerissen.


Was meinen Sie?
Welche zusätzlichen Dienste musste ein Lehrer zur damaligen Zeit verrichten?
Im Jahr 1827 wurde per Erlass das „Tanzgeigen“ für Schulgehilfen untersagt. Was könnte damit gemeint gewesen sein?

Das dritte Schulhaus in SierningDas dritte Schulhaus, die „Kaiser-Franz-Josef-Volksschule in der Neustraße, errichtet 1889/1890


1921/22 gab es in der VS Sierning 6 Stamm- und 3 Parallelklassen. Sehr interessant sind Inspektionsberichte durch den Schulinspektor aus damaligen Zeiten. Dabei wurden die Lehrer vom Aufsichtsorgan sogar mit Ziffernnoten beurteilt. (siehe Ausschnitt unten)

Inspektionsbericht - Ausschnitt
Oberlehrer Rückart, Klasse 1a, erhielt in Rechnen einen Dreier. Lehrerin Kainberger, Klasse 1b, in Lesen und Schreiben einen Dreier, in Gesang und Turnen ein Gut. Auch Lehrerinnen und Lehrer wurden also nicht nur mit „Sehr gut“ beurteilt.


Was meinen Sie?
Welche Höchstschülerzahl wurde für die Kaiser-Franz-Josef-Schule angegeben?
(Diese Zahl erreichte man kurz nach dem 2. Weltkrieg.


Das vierte Schulgebäude in SierningDas vierte Schulgebäude in Sierning, errichtet 1930


1927 beschloss der österreichische Nationalrat das sogenannte „Hauptschulgesetz“. Aus der 1923 gegründeten Bürgerschule wurde eine vierklassige Hauptschule, allerdings noch im alten Schulhaus neben der Kirche. Erst 1930, in einer wirtschaftlich besonders schwierigen Zeit, wurde innerhalb weniger Monate nach den Plänen des Bad Haller Architekten Christian Purner der Bau der Hauptschule durchgeführt und der Betrieb wurde noch im Herbst desselben Jahres aufgenommen. 
Während der Kriegsjahre wurden sowohl der Unterricht als auch die Schulgebäude zweckentfremdet, 1945 stellte man den Schulbetrieb einige Zeit ganz ein.


Was meinen Sie?
Für welche Zwecke fand das Schulgebäude während des Krieges Verwendung?


Spatenstichfeier 1967

Spatenstichfeier

Bilder von der Spatenstichfeier 1967


Die neue Schule war 18-klassig und im typischen Design der damaligen Zeit. Bausünden wie fehlende Wärmedämmung und Flachdach rächten sich in späterer Zeit. Das Flachdach wurde durch ein Ziegeldach ersetzt und nach der Jahrtausendwende gab es eine Generalsanierung. Bereits 1972 wurde eine Trennung in die Gemischte Hauptschule 1 (GH1) und GH2 mit angeschlossenem Polytechnischen Lehrgang vollzogen. Die Trennung wurde übrigens nach etwa 40 Jahren wieder rückgängig gemacht. Heute ist die Schule mit einem modernen Physiksaal, 4 EDV-Räumen, 4 Werkräumen, einer Schulküche, 2 Turnsälen und einem Hallenbad am Puls der Zeit. Derzeit (2021) werden an der Technischen Mittelschule und der angeschlossenen Polytechnischen Schule Sierning ca. 350 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.

Das Schulgebäude in Sierning
Das Schulgebäude 2021

1971 wurde die alte Hauptschule für die Zwecke der Volksschule umgestaltet und noch im selben Jahr eingeweiht.


Was meinen Sie? 
Reichte die Größe des neuen Schulgebäudes aus, um alle SchülerINNEN zu beherbergen?



1. Schulhaus in Sierninghofen1. Schulhaus in Sierninghofenderzeitige Volksschule Sierninghofenderzeitige Volksschule Sierninghofen


Auch in Sierninghofen erteilte man bereits vor Einführung der Schulpflicht Unterricht. Vor allem die wohlhabenderen Bürger konnten sich Privatlehrer leisten. Als Schulgebäude wurden die Objekte Sierninghofen 62 (Helmhaus) und Sierninghofen 67 (Bauhoferhaus) genützt. 

1784 erbaute man wegen der steigenden Schülerzahl ein erstes Schulgebäude an der Straße nach Grünburg (siehe Bild oben links). Ein weiters Schulhaus weihte man 1832 ein, weil das erste wegen Platzmangel und Baufälligkeit nicht mehr benützbar war. Schlussendlich wurde 1906 ein weiteres Schulgebäude in Betrieb genommen (siehe Bild rechts oben), welches heute noch seine Bestimmung erfüllt.


Was meinen Sie?
Mit welcher heutzutage doch recht eigenartig anmutenden Maßnahme, beschlossen 1903, sollte ein Teil der Baukosten für das Schulhaus gedeckt werden?




Beantwortung der Fragen:
Unter dem Begriff Winkelschule versteht man Schulen, in denen ungeprüfte Lehrer unterrichteten. 
Beim Wetterläuten wurde der Unterricht durch das Läuten der Kirchenglocken für ein Gebet unterbrochen, wenn ein Gewitter im Anmarsch war.

Lehrer waren gleichzeitig auch Messdiener und Organisten in der Kirche. 
Schulgehilfen brachten scheinbar Tage und Nächte in Schank- und Wirtshäusern mit Tanzgeigen zu, um sich ihr mageres Gehalt aufzubessern. Es wurde verboten, weil es „der Würde eines Lehrers nicht entspricht und auch dem Schulwesen nachteilig ist“. Den Schullehrern wurde empfohlen, das Gehalt ihrer Gehilfen aufzubessern, damit sie nicht zu solchen Nebenverdiensten gezwungen seien.

Die Höchstschülerzahl in der Kaiser-Franz-Josef-Volksschule wurde 1946 mit 465 erreicht:

Während des 2. Weltkrieges wurde die Hauptschule zuerst als Gaukrankenhaus, später als Flüchtlingsquartier und nach Kriegsende als Kaserne bzw. Notquartier für die Bewohner der Neustraße, die innerhalb einer Stunde ihre Wohnungen räumen mussten, zweckentfremdet.

Der Platz im neuen Schulhaus wurde aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge sehr rasch wieder zu wenig und es wurden Klassen in die ehemalige Kaiser-Franz-Josef-Schule und in das Kellergeschoss der Volksschule ausgelagert.

Mit einstimmigem Beschluss führte man eine Gemeinde-Bier-Umlage ein, welche einen Teil der Baukosten für die Schule hereinbringen sollten. Pro Hektoliter Bier wurde 1 Krone eingehoben. Der Bierpreis für die Bevölkerung erhöhte sich dadurch aber nicht.